Hessischer Jugendring
Schiersteiner Straße 31-33 . 65187 Wiesbaden . Telefon 0611 - 99 083 - 0 . Fax 0611 - 99 083 - 60 . info@hessischer-jugendring.de . www.hessischer-jugendring.de

Zusammenleben in einer Einwanderungsgesellschaft

Globalisierung und Migration (aus verschiedensten Gründen) sind eine Realität der Gegenwart und prägen unsere Gesellschaft. Hessen gehört zu den Bundesländern, in denen ein besonders hoher Anteil der Bevölkerung einen Migrationshintergrund aufweist. Kulturelle, religiöse und sprachliche Vielfalt ist bereits Alltag in Hessen, ganz besonders in der jungen Bevölkerung. Die interkulturelle Öffnung unserer Gesellschaft ist ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess mit dem Ziel, die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund am politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben zu ermöglichen.

Interkulturelle Öffnung der Jugendverbandsarbeit

Jugendverbandsarbeit ist nach ihrem Selbstverständnis offen für alle Kinder und Jugendlichen. Ihre Grundprinzipien der Freiwilligkeit, Selbstorganisation und Selbstbestimmung geben den idealen Rahmen für gemeinsames Engagement. In einer Einwanderungsgesellschaft sind die Jugendarbeit und die außerschulische Jugendbildung somit wichtige Orte, um soziale und demokratische Kompetenzen zu erwerben und ein selbstbestimmtes Aufwachsen zu fördern.

Die Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Jugendverbände fördern und begleiten diesen Prozess durch eine Stärkung der Partizipation in ihren Strukturen. Denn die Inklusion junger Menschen mit Migrationshintergrund ist für die Jugendverbandsarbeit nicht zuletzt ein wichtiger Aspekt ihrer eigenen stetigen Weiterentwicklung: Kulturelle Vielfalt bringt neue Anregungen und birgt damit ein großes Innovationspotential.

Durch das Projekt zusammen[ ]wachsen, das von 2012 bis 2014 durchgeführt und im Rahmen des Aktionsprogramm „Stärkung und Teilhabe von Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ vom Land Hessen gefördert wurde, wurden Impulse für eine interkulturelle Jugendverbandsarbeit angeregt. 

Coachingprojekt für MJSO

In den vergangenen Jahren ist eine Vielzahl neuer Jugendorganisationen entstanden: Vereine und Verbände jugendlicher Migrant_innen, so genannte Migrantenjugendselbstorganisationen (MJSO) oder Vereine junger Migrant_innen (VJM), darunter:

• Bund der Alevitischen Jugendlichen (BDAJ) - seit 2013 Mitgliedsverband im hjr
• DIDF-Jugend (LV Hessen gegründet 2014)
• DITIB-Landesjugendverband (LV Hessen gegründet 2013)
• Muslimische Jugend in Deutschland (MJD)
• Bund Moslemischer Pfadfinder und Pfadfinderinnen in Deutschland (BMPPD)

Der Hessische Jugendring unterstützt diese Verbände in ihrer Aufbauarbeit nachhaltig - durch individuelle Beratung in grundlegenden Fragen der Jugendverbandsarbeit oder durch bedarfsorientierte Qualifikationsmaßnahmen und Kooperationen.

Die Landesfachstelle Hessen "Integration in der Jugendarbeit"

Die Identitätsbildung junger Menschen mit Zuwanderungsgeschichte erfolgt häufig unter erschwerten Bedingungen, denn der Einfluss anderer ist enorm: Durch die Konfrontation mit Zuschreibungen und Stereotypen werden die Jugendlichen häufig früh in ihrer Identität eingeschränkt und benachteiligt. In der Folge ist es für sie schwer, ihren eigenen kulturellen Hintergrund, ihr Elternhaus und den Alltag in der Gesellschaft in Einklang zu bringen. Die Frage lautet, wie junge Menschen dabei unterstützt werden können, in diesem Spannungsfeld eine eigenständige, selbstbewusste Persönlichkeit entwickeln zu können. Dieser Prozess wird oft durch Ausgrenzungserfahrungen und die Betonung von Andersartigkeit erschwert und macht es umso schwieriger, ein Selbstverständnis als Teil der Gesellschaft zu entwickeln. Genau dort setzt Jugendarbeit an: Sie unterstützt über alle Herkunftsgrenzen hinweg junge Menschen im Prozess der Identitätsfindung und bietet Räume, sich auszuprobieren.

In der Folge dieses Wirkzusammenhangs wurde im Oktober 2018 die Landesfachstelle Hessen "Integration in der Jugendarbeit" neu geschaffen. Auftrag der Landesfachstelle ist es, die Jugendarbeit in Hessen für die Bedürfnisse junger Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zu sensibilisieren, fachlich zu qualifizieren und gleichzeitig Migrantenjugendselbstorganisationen (MJSOs) beim Auf- und Ausbau von Strukturen zu beraten und zu unterstützen. Weiterhin ist es ein zentrales Anliegen, Akteur_innen der Jugend(verbands)arbeit und MJSOs zu vernetzen, Kooperationen aufzubauen und den Fachdiskurs zu Migration und Integration in der Jugendarbeit zu fördern.

Runder Tisch IKÖ

Mit der Einführung des Runden Tisches im April 2017 wird ein regelmäßiges Forum zum Austausch und zur Vernetzung von und für MJSO angeboten. Bei den Arbeitstreffen werden Projekte der beteiligten Jugendverbände vorgestellt und aktuelle Fragestellungen behandelt.